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Barrierefreiheit auf Websites: Bald gesetzliche Pflicht und jetzt schon sinnvoll

Stell dir vor: Du möchtest dir heute Abend eine Pizza in deinem immer voll besetzten Lieblingsrestaurant gönnen und dir zur Sicherheit online einen Tisch reservieren. Du öffnest die Website, hast schon den Duft der herrlichen Diavolo in der Nase und dann der Frustmoment: du kannst nicht mal die Menünavigation der Seite bedienen. Ganz zu schweigen von der Reservierung deines Lieblingsplatzes direkt beim Fenster.

Klingt weit hergeholt, oder? Ist es aber nicht. Für rund 10 % der Bevölkerung ist das trauriger Alltag. Menschen mit Sehbehinderung, motorischen Einschränkungen oder kognitiven Hürden stoßen oft auf digitale Barrieren. Aber: Das ändert sich. Endlich! Und zwar nicht nur in unserem Bewusstsein, sondern ganz offiziell per Gesetz.

Letzte Aktualisierung: April 2025

unterschiedlichste Personen als Abbild unserer Gesellschaft

Was ist neu – und wen betrifft’s?

Im Juni 2025 tritt das Barrierefreiheits­stärkungsgesetz (BFSG) in Kraft. Klingt sperrig, ist aber ein echter Gamechanger. Betroffen sind:

  • Private Unternehmen, die digitale Produkte oder Dienstleistungen verkaufen (z. B. Online-Shops, Banken, Mobilfunkanbieter).

  • Websites, Apps, Selbstbedienungsterminals – alles muss so gestaltet sein, dass Menschen mit Behinderungen sie gleichberechtigt nutzen können.

Kleine Unternehmen (unter 10  Mitarbeiter:innen oder unter 2 Mio. Jahresumsatz) sind ausgenommen – aber auch für sie gilt: Je barrierefreier, desto besser. Denn …

Warum Barrierefreiheit auch ohne Gesetz Sinn macht

Zugegeben: Gesetze bringen Druck. Aber es geht um mehr: Inklusion. Sichtbarkeit. Sichtbarkeit für alle.

Rund 10 % der Menschen in Österreich leben mit einer Behinderung. Das sind deine potenziellen Kund:innen, User:innen, Leser:innen. Wenn deine Website nicht barrierefrei ist, schließt du diese Menschen systematisch aus.

Dazu kommt:

  • Barrierefreie Websites sind oft schneller – weil sie strukturiert, schlank und semantisch korrekt aufgebaut sind.
  • Sie sind benutzerfreundlicher, nicht nur für Menschen mit Behinderung, sondern z. B. auch für ältere Menschen oder Menschen mit temporären Einschränkungen (z. B. Verletzung, Erschöpfung).
  • Gute Zugänglichkeit ist ein Rankingfaktor bei Google. Technisch saubere Struktur, Texte mit Sinn, mobil optimierte Elemente – all das zahlt auf die Sichtbarkeit bei Suchmaschinen ein.
  • Weniger Frustration = weniger Supportanfragen. Wenn ein Formular verständlich beschriftet ist und auch per Tastatur funktioniert, spart das Rückfragen und Nerven.
  • Konsistenz und Qualität: Wer barrierefrei denkt, entwickelt meist strukturierter. Und das zahlt sich langfristig auch in der Wartung aus.

Unser Ansatz zu barrierefreiem Webdesign

Wir lieben gutes Design – aber wir wissen auch: Schönheit darf kein Hindernis sein. Deshalb achten wir bei jeder neuen Website darauf, Barrieren abzubauen. Wir orientieren uns dabei an den WCAG-Richtlinien (dazu gleich mehr) und versuchen, digitale Räume für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen.

Keine Seite ist perfekt, aber wir arbeiten daran, dass „sehr gut“ bald „standard“ wird.

Was sind diese WCAG?

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) sind sowas wie das internationale Grundgesetz für barrierefreies Webdesign. Sie geben klare Kriterien vor, nach denen beurteilt wird, ob eine Website zugänglich ist. Sie umfassen vier Kategorien:

  • Wahrnehmbar

  • Bedienbar

  • Verständlich

  • Robust

Ein bisschen Theorie, viel praktische Umsetzung. Und ja, manchmal auch Tüftelei.

Kurze WCAG-Checkliste: 10 Punkte, die bei barrierefreien Websites berücksichtigt werden sollten

  1. Alternativtexte für Bilder → Damit Screenreader sagen können, was zu sehen ist.
  2. Gute Farbkontraste → Für Lesbarkeit – auch bei Sehschwächen.

  3. Tastaturbedienbarkeit → Alles muss auch ohne Maus nutzbar sein.

  4. Logische Überschriftenstruktur (H1, H2, H3 …) → Damit Inhalte klar gegliedert sind.

  5. Beschriftete Formulare → Jedes Feld braucht eine eindeutige, technische Zuordnung.

  6. Keine flackernden Inhalte → Vermeidet gesundheitliche Risiken wie epileptische Anfälle.

  7. Texte in verständlicher Sprache → Kompliziert können wir alle. Einfach ist Kunst.

  8. Untertitel oder Transkripte für Videos → Für alle, die nicht hören (können oder wollen).

  9. Feedback geben bei Interaktionen → Wenn etwas angeklickt wird, soll auch was passieren.

  10. Responsive und mobil gut bedienbar → Ob Smartphone oder Desktop: Die Inhalte müssen auf allen Engeräten zugänglich sein.

Kleine Fehler, große Wirkung: Barrierefreiheit zum Ansehen und Verstehen

Barrierefreiheit klingt nach Paragrafen, Richtlinien und technischen Details. Und ja, davon gibt’s genug. Worum es eigentlich geht, zeigt sich dir meist erst, wenn du es siehst. Keine Struktur, kein Kontrast, keine Beschreibung – und schon wird aus einer eigentlich einfachen, schönen Website ein unbrauchbares Chaos.

Im nächsten Abschnitt zeigen wir dir wie es aussieht, wenn Barrierefreiheit fehlt, warum das für viele Menschen ein echtes Problem darstellt und vor allem: Wie du es besser machen kannst!

Alternativtexte für Bilder: damit Screenreader sagen können, was zu sehen ist

Schwarze Fläche

Ohne Alterantivtext

Ein großes, schwarzes Loch – keine Information für Screenreader-Nutzer:innen.

Holzziege steht auf Skateboard vor pastellfarbenem Hintergrund

Mit Alterantivtext

Das Bild wird für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen textlich beschrieben. In diesem Fall zB: „Holzziege steht auf Skateboard vor pastellfarbenem Hintergrund“

Überschriftenstruktur: H1, H2, H3 … logisch und sinnvoll

Textbeispiel ohne Struktur

Hier fehlt diese Struktur – der Text wirkt überladen, unübersichtlich und erschwert das schnelle Erfassen der Inhalte.

Für Screenreader-Nutzer:innen: Ohne Struktur wirkt alles wie ein einziger Textblock – verwirrend, unübersichtlich, schnell überfordernd.

Textbeispiel mit klarer Struktur

Sinnvoll eingesetzte Überschriften (H1, H2, H3), Absätze und Hervorhebungen.

Für Screenreader-Nutzer:innen: Wer den Text nicht sieht, sondern sich vorlesen lässt, bekommt durch die korrekte Hierarchie eine logische Gliederung. 

Gute Farbkontraste: weiße Schrift auf hellgrau? Nein, danke.

Schlechtlesbarer Kontrast

Abgeschwächte Wahrnehmung von Grün – rund einer von 25 Menschen ist davon betroffen

Der Kontrast geht verloren. Die Farben verschwimmen. Der Text ist kaum noch zu erkennen.

Besser lesbarer Kontrast

Farbsehen – so wie die meisten Menschen Farben wahrnehmen

Der Text hebt sich ab – so, wie es gedacht war.

Rate mal, wo du klicken sollst: Links müssen auch im Fließtext eindeutig als solche erkennbar sein

Text mit schlecht erkennbaren Links

Ein Link, der keiner sein will und damit auch nicht gefunden wird

Wer mit Tastatur unterwegs ist (oder einfach nur schnell liest), sieht keine Maus und braucht visuelle oder technische Hinweise, um den Link überhaupt wahrzunehmen.

Text mit gut erkennbaren Links

So sieht ein Link aus – und wird auch als solcher verstanden

Der Link ist unterstrichen, farblich abgehoben und dadurch sofort als klickbar zu erkennen. Das hilft nicht nur Menschen mit Einschränkungen, sondern allen die nicht raten wollen wo sie klicken sollen.

Wenn das Label nicht zum Feld gehört wird’s schnell verwirrend

Formular mit nicht zugeordneten Labels, die Labels stehen zu beginn

Beschriftet – aber nicht verbunden

Screenreader lesen dann zum Beispiel erst Labels, dann Felder – ohne Zuordnung. Bei der „Sozialversicherungsnummer“ im „Betrag“-Feld wird’s nicht nur peinlich, sondern womöglich teuer.

Formular mit passenden Labels

Feldbeschriftungen, wie sie sein sollen

Jedes Eingabefeld ist korrekt mit seiner Beschriftung verbunden. So weiß auch jede:r mit Screenreader oder Tastaturnavigation sofort, was wo hingehört – sicher, verständlich und barrierefrei.

Farben allein reichen nicht: gute Diagramme brauchen mehr als bunte Balken

Diagramm mit unklarer Zuordnung bei Farbschwäche

Schön bunt für dich – alles gleich für andere

Viele Menschen mit Farbschwäche können Diagramme nicht sinnvoll erfassen, wenn sich die Balken allein durch Farben differenzieren. Die Legende sagt zwar „Felix, Ramona, Kathi und Sandra“ – aber die Farben sehen gleich oder kaum unterscheidbar aus. Ohne zusätzlichen Hinweis oder Muster bleiben sie für viele einfach nur … Balken.

Diagramm mit klarer Zuweisung

So wird’s für alle verständlich – auch ohne perfekte Farbwahrnehmung

Klare Labels und Zuordnungen helfen die Inhalte auf einen Blick zu erfassen – auch für Menschen mit Farbsehschwäche oder kognitiven Einschränkungen.

Was denkst du zeigen diese Balken für das Jahr 2024 an?
  1. Kaffees am Montagvormittag
  2. Tabs im Browser kurz vorm Feierabend

  3. To-dos, die nie erledigt wurden

  4. Zuckerkipferl-Konsum

  5. Anzahl an Teams-Meetings, die auch eine E-Mail hätten sein können

Schick uns die richtige Antwort an hauptquartier@komplizinnen.at und gewinne eine stylishe Komplizinnen-Stofftasche!

Wie barrierefrei ist deine Website?

Wenn dir an dieser Stelle schon der Kopf raucht, keine Panik! Im Rahmen unseres Website-Checks nehmen wir deine Seite unter die Lupe und prüfen, wo es hakt und wo sie schon glänzt. Du bekommst einen kurzen Testbericht und konkrete Vorschläge, welche Anpassungen nötig sind, damit auch deine Website bald barrierefrei wird.

Barrierefreiheit ist kein Trend. Sie ist ein
Menschen­recht.

Und sie macht das Internet besser. Nicht nur für einzelne Menschen, sondern für alle! Wenn auch du ein sichtbares Zeichen für Inklusion und Gleichberechtigung setzen möchtest, melde dich bei uns. Wir machen deine Website fit für die Zukunft.

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